Künstler-Portrait - Der neue Rüsselsheimer - Dezember 1989

Bereits die frühen Arbeiten des Malers und Grafikers Rudolf Petzinger zeigen, daß sein besonderes Anliegen überwiegend der Landschaft in ihrer Bedeutung für die dort lebenden Menschen gilt. Eng verbunden mit dem Thema Landschaft setzt sich der Künstler mit Problemen seiner Rodgau-Heimat auseinander. Es beschäftigt ihn, wie die frühere Landbevölkerung den Kontakt mit Städtern aufgenommen hatte und dabei selbst verstädterte, aber auch wie sich die konkreten Auswirkungen in seiner Rodgau-Landschaft abzeichnen.

 

Diesen Problemkreis, der von Stadt und Land in wechselnder Beziehung und Identitätskriesen bestimmt wird, hat Rudolf Petzinger in seine Bildwelt aufgenommen. Der Künstler ging hierbei neue Wege, indem er die Auseinandersetzung auch zwischen naturalistischen, subtil ausgearbeiteten Formen und verfremdeten Bildelementen in seine Aussage einbezog.

 

Das Gemälde "Mona Rodgau" steht am Ende dieser Serie über die Heimat Rudolf Petzingers, der aus Rodgau-Dauenhofen stammt. Leonardo da Vincis berühmtes Frauenbildnis mit dem geheimnisvollen Lächeln wurde in die Gegenward transponiert. Die "Mona" lächelt nun für Rudolf Petzingers "Landsleute", doch sie wurde vor eine Landschaft gesetzt, die anders gestaltet ist. Die im Bildhintergrund sich bedohlich anbahnende Entwicklung einer uferlosen Verstädterung verdeutlicht, daß Dudenhofen nur beispielhaft für den ländlichen Heimatort schlechthin stehen soll. So wurde dieses Gemälde zum Schlußpunkt gewissermaßen aber auch zu einem Beginn einer neuen Entwicklung, die das weitere Schaffen bestimmte: Das Motiv "Mona" löst sich auf und wurde zusammen mit Werken von Rubens bis Picasso neu interpretiert.

 

Einen tiefgreifenden Einfluß gewann schließlich die Verleihung des Kulturpreises der Heimatstadt Rodgau zusammen mit der Rockgruppe "Rodgau Monotones" im Jahre 1984 an den mittlerweile in Bad Camberg lebenden Künstler. Musik, Sprache und gemeinsame Herkunft gaben den unmittelbaren Anstoß zu dem Gemälde "Ei gude wie?" In dem die "Sprachlosigkeit" unserer Zeit entlarvt wird. Dieses geradezu programmatische Werk eröffnete ihm schließlich den Schritt zu der Darstellung einer neuen Sichtwiese der hessischen Heimat.

 

Rudolf Petzinger wurde im jahr 1952 in Dudenhofen / Rodgau geboren. Nach dem Abschluß einer Lehre als Schaufenstergestalter studierte er 1971 - 1975 an der Kunstschule Westend in Frankfurt. Seit 1976 sind die Werke Rudolf Petzingers in Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland zu sehen. Zuletzt waren seine Gemälde in Nieuwpoort / Belgien ausgestellt. Im Jahre 1984 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Rodgau.

Rudolf Petzinger lebt und arbeitet in Bad Camberg / Taunus.

 

Dr. Roger M. Gorenflo - Rüsselsheim im Dezember 1989